Blog Image
Blog Image
30.03.2025
Kategorie: Technologie & Digitalisierung in der Pflege
Digitale Pflegeberatung – Fluch oder Fortschritt?

Einleitung

Pflegeberatung ist ein wichtiger Baustein im deutschen Pflegesystem. Sie soll Pflegebedürftige und ihre Angehörigen unterstützen, Leistungen verständlich erklären, Wege aufzeigen und in Krisen Orientierung geben. Was früher meist als persönliches Gespräch im Pflegestützpunkt oder beim Hausbesuch stattfand, ist heute zunehmend digital: per Videoanruf, App oder Online-Portal.

Doch was bringt die digitale Pflegeberatung wirklich? Hilft sie, den Beratungsbedarf besser abzudecken – oder führt sie zu mehr Unsicherheit und Distanz?

In diesem Artikel werfen wir einen umfassenden Blick auf:
✔ Chancen und Vorteile digitaler Pflegeberatung
✔ Grenzen, Risiken und Kritikpunkte
✔ Technische Möglichkeiten und digitale Formate
✔ Rechtliche Rahmenbedingungen
✔ Tipps zur Nutzung und Bewertung


1. Was ist digitale Pflegeberatung überhaupt?

Digitale Pflegeberatung umfasst alle technisch unterstützten Formen der Pflegeberatung, die nicht vor Ort, sondern über digitale Kanäle erfolgen.

Typische Formate:

Videoberatung via Laptop oder Smartphone
Telefonberatung mit digitaler Dokumentation
Pflegeberatungs-Apps mit Chat-Funktion
Online-Portale mit Wissensdatenbank und Tools
Pflegeberatung über Messenger oder E-Mail

📌 Gesetzliche Grundlage: Pflegeberatung ist im § 7a SGB XI verankert – ob digital oder analog, ist nicht festgelegt. Entscheidend ist die Qualität.


2. Warum überhaupt digital? Die Chancen und Vorteile

Angesichts des zunehmenden Pflegebedarfs, des Fachkräftemangels und der Digitalisierung im Gesundheitswesen liegt es nahe, auch die Pflegeberatung digital zugänglich zu machen.

2.1 Niedrigschwelliger Zugang – unabhängig vom Wohnort

✔ Auch in ländlichen Regionen ohne Pflegestützpunkt ist Beratung möglich
✔ Keine langen Anfahrtswege oder Wartezeiten

2.2 Zeitliche Flexibilität

✔ Beratungstermine auch außerhalb der Bürozeiten möglich
✔ Digitale Tools oft rund um die Uhr zugänglich

2.3 Mehr Eigenverantwortung und Selbsthilfe

✔ Pflege-Apps bieten strukturierte Informationen und Checklisten
✔ Vergleichsportale und digitale Fragebögen unterstützen Entscheidungen

2.4 Entlastung für Beratungsstellen

✔ Routinefragen können digital beantwortet werden
✔ Pflegeberater:innen haben mehr Zeit für komplexe Fälle


3. Wo liegen die Grenzen und Herausforderungen?

Trotz aller Vorteile gibt es auch berechtigte Bedenken und Schwierigkeiten.

3.1 Digitale Spaltung – nicht alle kommen mit

✔ Viele Pflegebedürftige und Angehörige haben keinen Zugang zu digitaler Technik
✔ Fehlende digitale Kompetenzen führen zu Überforderung
✔ Sprachbarrieren oder kognitive Einschränkungen erschweren den Zugang

3.2 Fehlende persönliche Nähe

✔ Digitale Kommunikation kann distanziert wirken
✔ Nonverbale Signale fehlen oder werden missverstanden
✔ Vertrauen aufzubauen ist schwieriger

3.3 Datenschutz und Vertraulichkeit

✔ Unsicherheit bei der Datenverarbeitung
✔ Angst vor Missbrauch sensibler Informationen
✔ Nicht alle Anbieter arbeiten DSGVO-konform

3.4 Begrenzte Tiefe bei komplexen Themen

✔ Rechts- und Leistungsfragen sind oft zu viel für ein digitales Tool
✔ Die individuelle Lebenssituation lässt sich digital nur eingeschränkt erfassen

📌 Fazit: Digitale Beratung ist kein Ersatz für persönliche Gespräche – aber eine wertvolle Ergänzung.


4. Welche digitalen Pflegeberatungs-Angebote gibt es?

4.1 Pflegekassen und Pflegestützpunkte

✔ Viele bieten inzwischen Videoberatungen oder telefonische Beratungen mit digitaler Dokumentation
✔ Teilweise eigene Kundenportale mit Antragsassistenten

4.2 Unabhängige Plattformen und Start-ups

✔ z. B. „DeinePflege“, „Pflegehilfe“, „Pflegeplatzmanager“
✔ Unterstützung bei Antragstellung, Anbieter-Vergleich, Pflegegradcheck

4.3 Pflegeberatung per App

✔ z. B. PflegePur-App mit Artikeln, Checklisten, Hilfsmittelberatung
✔ Digitale Pflegeplaner und Tagebuchfunktionen

4.4 Digitale Pflegeberatung auf Rezept

✔ Pflegeberatung kann inzwischen ärztlich verordnet werden
✔ Durchführung auch per Video möglich – von zertifizierten Beratern


5. Ist digitale Pflegeberatung rechtlich abgesichert?

5.1 Gesetzlicher Anspruch (§ 7a SGB XI)

✔ Pflegebedürftige mit anerkanntem Pflegegrad haben Anspruch auf Pflegeberatung
✔ Die Beratung kann auch in digitaler Form erfolgen, sofern Qualität, Datenschutz und Verständlichkeit gewährleistet sind

5.2 Zertifizierungen und Qualitätsanforderungen

✔ Beratungsstellen müssen qualifizierte Fachkräfte einsetzen
✔ Beratungsinhalte werden dokumentiert
✔ Viele Krankenkassen arbeiten mit DIN ISO-zertifizierten Tools

📌 Tipp: Achten Sie auf Siegel wie „Digitale Gesundheitsanwendung (DiGA)“ oder offizielle Pflegeberater-Zertifikate.


6. Wie nutze ich digitale Pflegeberatung sinnvoll?

6.1 Vorbereitung ist alles

✔ Fragen notieren
✔ Unterlagen bereitlegen (Pflegegrad, MD-Bescheide etc.)
✔ Vorab klären, ob es eine Datenschutz-Einwilligung braucht

6.2 Passendes Format wählen

✔ Lieber persönlicher Kontakt? → Videoberatung
✔ Schnelle Frage? → Chat oder E-Mail
✔ Hilfe bei Anträgen? → App mit Pflegegradrechner

6.3 Vertrauenswürdige Anbieter wählen

✔ Angebote der eigenen Pflegekasse prüfen
✔ Bewertungen und Datenschutzrichtlinien lesen
✔ Keine sensiblen Daten in unbekannten Apps eingeben


7. Fazit: Digitale Pflegeberatung – nicht Fluch, sondern Fortschritt mit Bedacht

Die digitale Pflegeberatung ist ein wichtiger Baustein moderner Versorgung. Sie bietet Schnelligkeit, Flexibilität und Reichweite – vor allem in Zeiten von Pflegekräftemangel und steigender Nachfrage.

✔ Für viele Angehörige ist sie eine echte Erleichterung im Pflegealltag
✔ Sie ersetzt keine persönliche Beziehung – ergänzt sie aber sinnvoll
✔ Die digitale Zukunft der Pflegeberatung hat begonnen – verantwortungsvoll genutzt, ist sie ein Fortschritt

💡 Tipp: Wer unsicher ist, beginnt mit einem telefonischen Erstgespräch und wechselt später in die digitale Welt – Schritt für Schritt. Pflege darf modern sein, solange der Mensch im Mittelpunkt bleibt.