Psychische Gesundheit: Im Alter geistig fit bleiben

Den Schlüssel vergisst jeder einmal. Aber wo ist die Grenze zwischen Vergesslichkeit und Demenz? Und wo zwischen Besorgnis oder Trauer und Depression? Erfahren Sie mehr über psychische Gesundheit im Alter und was man tun kann, um geistig fit, zufrieden und glücklich zu bleiben.


Auf einen Blick

Im normalen Alterungsprozess verändern sich die körperlichen und geistigen Fähigkeiten, was viele Menschen als besorgniserregend oder angsteinflößend empfinden.

Ein gesunder Lebensstil und soziale Kontakte tragen zur Erhaltung der psychischen Gesundheit im Alter bei.

Depressionen und Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes sind Risikofaktoren für die Entwicklung einer Demenz und sollten schon im mittleren Lebensalter konsequent behandelt werden.

Hilfsangebote können Angehörige bei der Pflege von Demenzkranken entlasten.

Hinweis: Die Informationen dieses Artikels können und sollen einen Arztbesuch nicht ersetzen und dürfen nicht zur Selbstdiagnostik oder -behandlung verwendet werden.


Psychische Gesundheit im Alter

Im Laufe der Jahre verliert ein Mensch immer mehr enge Freunde und Familienmitglieder, was zu Phasen der Einsamkeit und Traurigkeit führen kann. Dazu kommen im Alter Veränderungen der körperlichen und geistigen Fähigkeiten, die manchmal Besorgnis und Angst hervorrufen.

Aber nicht hinter jedem vergessenen Namen oder einer traurigen Stimmung steckt eine Erkrankung: Manchmal etwas zu vergessen oder langsamer zu werden ist normal und kein Grund zur Sorge. Dennoch zählen Depressionen und Demenz zu den häufigsten psychischen Erkrankungen im Alter. Durch das eigene Verhalten kann man aber zur Vorbeugung dieser Erkrankungen beitragen.

Wichtig zu wissen: Besteht die Befürchtung, dass man selbst oder ein Angehöriger unter einer Depression oder Demenz leiden könnte, so ist die Hausärztin oder der Hausarzt eine gute Anlaufstelle. Bei Verdacht auf Depression kann es aber auch helfen, eine psychologische Beratungsstelle und, bei Verdacht auf Demenz, eine Gedächtnissprechstunde in einer Memory-Klinik zu besuchen.


Würdevoll alt werden

Ein würdevolles Leben beeinflusst die Lebensqualität im Alter. Voraussetzungen dafür sind der Erhalt der geistigen Leistungsfähigkeit und die Fähigkeit, Aktivitäten des täglichen Lebens ausführen zu können.

Für gewöhnlich steigt mit dem Alter die Abhängigkeit von anderen Menschen. Entscheidungen selbst treffen zu können und Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen sowie Privatsphäre und persönlicher Raum spielen für die Erhaltung der Lebensqualität daher eine große Rolle.

Zahlreiche Studien zeigen, dass psychische Gesundheitsprobleme die Lebensqualität älterer Menschen beeinträchtigen. Dann können Ärzte, Psychiater oder klinische Psychologen helfen.


Depression und Angst im Alter

Angst und Depression sind neben Demenzerkrankungen die häufigsten psychischen Gesundheitsprobleme bei älteren Menschen. Vor allem soziale Isolation, aber auch Behinderungen oder schlechtes Sehen und Hören gehen mit Depressionen einher.

Man schätzt, dass 17 Prozent der Menschen über 75 Jahren depressive Störungen haben und 7 Prozent an schweren Depressionen erkrankt sind. Depressionen treten im Alter nicht häufiger auf als in anderen Lebensphasen, bedürfen aber auch hier der Aufmerksamkeit. Es gibt jedoch im Alter mehr depressive Verstimmungen, die keinen Krankheitscharakter besitzen („subklinisch“) und auf die man selbst einwirken kann.

Es gibt einiges, was man bei depressiven Verstimmungen selbst tun kann:

  • Da viele depressive Menschen ihre Sozialkontakte einschränken, kann ein Teufelskreis entstehen, wenn die soziale Isolation weiter zunimmt. Telefonate oder Verabredungen können sie durchbrechen.
  • Auch kleinere Aktivitäten wie Kochen oder Musikhören können die Stimmung verbessern.
  • Regelmäßiger Sport bei erreichbaren Zielen reduziert Studien zufolge depressive Symptome auch bei älteren Menschen und fördert – in der Gruppe ausgeübt – soziale Kontakte.
  • Unterstützung durch Angehörige und Bekannte annehmen: Gemeinsame Aktivitäten wie Spaziergänge, das Betrachten von Fotos und Gespräche helfen ebenfalls. Angehörige sollten eine Zurückweisung jedoch nicht persönlich nehmen und respektieren.

Eine Depression im Alter äußert sich seltener durch eine traurige Stimmung und geht mit weniger klaren Symptomen einher als bei jüngeren Menschen. Besonders wenn sie vorwiegend geistige Beeinträchtigungen mit sich bringt, kann sie leicht mit einer Demenz verwechselt werden.

Eine Depression lässt sich durch Medikamente oder psychotherapeutische Behandlungen bessern. Bei länger andauernden Anzeichen ist deshalb der Gang zum Arzt oder Psychotherapeuten sinnvoll, auch weil eine unbehandelte Depression chronisch werden kann. Zudem können manche Medikamente eine Depression verschlimmern oder verursachen, beispielsweise blutdrucksenkende Mittel, Beruhigungsmittel oder Medikamente gegen Parkinson und Krebs. Hier kann der Arzt prüfen, ob Alternativen besser geeignet sind.


Was kann man bei Demenz tun?

Bei einer Demenz lässt nicht nur das (Kurzzeit-)Gedächtnis nach, sondern auch die zeitliche und räumliche Orientierung und die Sprachfähigkeit. Oft kommt es zu Verhaltensänderungen, beispielsweise sind die Betroffenen lustlos, ängstlich, haben Wutausbrüche, sind hyperaktiv, unruhig oder ziehen sich zurück. Depressive Episoden kommen bei Demenz ebenfalls vor.

Die meisten Demenzformen – darunter die Alzheimer-Erkrankung und die vaskuläre Demenz – sind bislang nicht heilbar. Einige Medikamente können das Fortschreiten jedoch verzögern. Ob sie geeignet sind, hängt von der Form und Schwere der Demenz ab.

Der erste Schritt beim Verdacht auf eine Demenz ist ein Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt. Eine erste Demenzdiagnostik und -therapie kann im vertrauten Umfeld der Hausarztpraxis durchgeführt werden. Zusätzlich empfiehlt es sich, eine sogenannte Gedächtnissprechstunde einer „Memory Clinic“ aufzusuchen. Dort sind Ärzte und Ärztinnen sowie Psychologen und Psychologinnen besonders auf Fragen der Demenz spezialisiert.

Betroffene können aber auch selbst etwas tun, um das Gedächtnis zu fördern und dazu beitragen den Alltag besser zu bewältigen. Dazu zählen:

  • Verfahren, die Erinnerungen wecken oder geistige Fähigkeiten anregen (die sogenannte kognitive Stimulation), wie Rätsel lösen, Kopfrechnen, das Gedächtnis bewusst trainieren
  • viel körperliche Bewegung, beispielsweise Nordic Walking
  • Singen, das Spielen oder auch Neulernen von Instrumenten
  • möglichst nicht rauchen und Übergewicht vermeiden
  • mit anderen Menschen intensiven Austausch pflegen
  • seinem eigenen Älterwerden möglichst viel Gutes abgewinnen und das eigene Altern nicht negativ bewerten
  • sich engagieren, beispielsweise in einem Ehrenamt
  • Stress möglichst vermeiden


Wieso ist Vorbeugung schon im mittleren Alter wichtig?

Auch wenn das Alter der stärkste bekannte Risikofaktor für eine sinkende geistige Leistungsfähigkeit ist, so ist Demenz keine natürliche oder unvermeidliche Folge des Alterns: Viele Umstände und Krankheiten können dazu beitragen, dass eine Demenz entsteht. Einige kann man beeinflussen oder behandeln lassen, wie Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen, Diabetes, Übergewicht oder Rauchen. Wer sein Leben schon im mittleren Alter aktiv gestaltet, kann der Krankheit vorbeugen. Dazu gehören vor allem regelmäßige Bewegung, eine ausgewogene Ernährung und ein aktives geistiges und soziales Leben.


Welche Faktoren kann man selbst beeinflussen?

Sport: Ein körperlich aktiver Lebensstil ist relativ eng mit der Leistungsfähigkeit des Gehirns verbunden. Auch Menschen ab 65 Jahren sollten mindestens 150 Minuten pro Woche aktiv sein. Dabei geht es keinesfalls um sportliche Höchstleistungen, sondern um eine mäßige Intensität. Generell gilt: Je mehr, desto besser. Wichtig ist, moderat zu starten und sich langsam zu steigern. Bei Personen mit eingeschränkter Mobilität unterstützt regelmäßige Bewegung auch das Gleichgewicht und beugt Stürzen vor. Gezielte Balanceübungen sind von Vorteil. Wer aus gesundheitlichen Gründen nicht die empfohlenen Mengen an körperlicher Aktivität ausführen kann, sollte dennoch so aktiv wie möglich sein.

Soziale Aktivitäten und Kontakt zu anderen Menschen können einer Demenz vorbeugen: Der Austausch mit anderen ist gewissermaßen ein geistiges Training.

Ernährung: Studien haben ergeben, dass die Umstellung auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung zur Vorbeugung vieler Erkrankungen beiträgt, die das Risiko für Demenz erhöhen, wie zum Beispiel Diabetes.

Rauchen ist mit Erkrankungen wie sinkender geistiger Leistungsfähigkeit und Demenz verbunden.

Alkohol: Es gibt zahlreiche Hinweise darauf, dass ein übermäßiger Alkoholkonsum ein Risikofaktor für Demenz und geistige Beeinträchtigung ist.

Hör- und Sehverlust: Schwerhörigkeit tritt im Alter häufig auf, schätzungsweise jeder dritte Erwachsene ab 65 Jahren und jeder zweite ab 80 Jahren ist betroffen. Die Auswirkungen von Hörverlust werden häufig unterschätzt: Hörverlust kann Studien zufolge das Risiko einer Demenz nahezu verdoppeln. Schwerhörigkeit beeinträchtigt das soziale und emotionale Wohlbefinden: Sie erschwert die Kommunikation mit anderen, was zu Frustration, Isolation und Einsamkeit führen kann. Bedeutsame Beeinträchtigungen der Sehfähigkeit liegen bei jeder vierten Person über 65 Jahren und jeder dritten über 80 Jahren vor. Sie bedrohen die Selbständigkeit und Mobilität außer Haus. Gute Hör- und Sehhilfen sind deshalb ein „Muss“ im Alter.

Körpergewicht: Fettleibigkeit in der Mitte des Lebens erhöht das Risiko für Demenz. Man vermutet, dass ein Gewichtsverlust indirekt das Demenzrisiko verringert, weil sich dadurch eine Vielzahl von Stoffwechselfaktoren verbessern, die mit der Entstehung von geistigen Beeinträchtigungen und Demenz zusammenhängen. Dabei scheinen Lebensstiländerungen im mittleren Lebensalter, die die Ernährung und die körperliche Aktivität umfassen, die besten Ergebnisse zu zeigen.

Bluthochdruck: Auch Bluthochdruck in der Lebensmitte steht mit einem erhöhten Risiko für Demenz im Alter in Verbindung. Bluthochdruck kann oft durch eine gesunde Ernährung, Normalgewicht und ausreichend Sport gesenkt werden.

Diabetes mellitus: Typ-2-Diabetes und vor allem eine schlechte Kontrolle des Blutzuckers stehen mit einer sinkenden geistigen Leistungsfähigkeit im Alter im Zusammenhang. Mit Diabetes verbundene Komplikationen wie Nieren- und Augenschäden, Schwerhörigkeit sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen scheinen das Risiko für Demenz weiter zu erhöhen. Durch einen aktiven Lebensstil kann man die ungünstigen Folgen eines Diabetes auf die geistige Leistungsfähigkeit reduzieren.

Fettstoffwechselstörungen: Ein erhöhter Cholesterinwert ist einer der wichtigsten veränderbaren Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Er lässt sich häufig schon durch Abnehmen und einen geringeren Verzehr von Lebensmitteln tierischen Ursprungs senken. Bereits Mitte der 1970er Jahre hatte man den Verdacht, dass ein erhöhter Cholesterinspiegel im Blut mit einem erhöhten Demenzrisiko zusammenhängen könnte. Seitdem sind Studien zu unterschiedlichen Ergebnissen gekommen. Sie zeigten eine stärkere Verbindung zwischen einem hohen Cholesterinspiegel und Demenz eher in der Mitte des Lebens als im Alter. Auch wenn der Effekt auf die Entstehung einer Demenz nicht gesichert ist, ist die Behandlung der Stoffwechselstörung von Vorteil.

Depression: Studien zufolge wird das Risiko für Demenz durch das Vorliegen einer Depression annähernd verdoppelt. Wichtig zu wissen ist, dass geistige Beeinträchtigungen das Hauptsymptom einer Depression bei älteren Menschen sein können. Die mögliche Behandlung von depressiven Verstimmungen und Erkrankungen trägt also auch zur Vorbeugung von Demenz bei.


Was können Angehörige tun?

Selbst bei über 75-Jährigen findet sich der Wunsch nach einer gesundheitlichen Beratung zum Thema Demenz nicht unter den Top 20. Angehörige sollten respektieren, dass es ein Recht auf Nicht-Wissen gibt: Die Diagnose einer Demenz kann eine Entlastung bedeuten, sie kann für Betroffene aber auch eine psychische Belastung darstellen und als Angriff auf die eigene Identität und Handlungsfähigkeit verstanden werden.

Menschen mit Demenz sollten in Entscheidungen, die sie selbst und ihre Pflege betreffen, soweit wie möglich einbezogen werden. Es können Hilfsmittel wie Bilder oder Texte in einfacher Sprache verwendet werden. Vorlieben, Abneigungen, die tägliche Routine, persönliche Erfahrungen und die Lebensgeschichte sollten berücksichtigt werden.

Körperliche Berührung kann als Kommunikationsmittel eingesetzt werden und eine beruhigende Wirkung haben. Dabei müssen aber ein Bedürfnis nach Distanz und die Privatsphäre des Erkrankten beachtet werden.

Angehörige können zum Erhalt von Fähigkeiten beitragen, indem sie den Betroffenen nicht alles abnehmen, sie einfache Arbeiten erledigen lassen und zu Erinnerungen anregen.

Es ist sinnvoll, die Wohnung an die neuen Bedürfnisse anzupassen, beispielsweise für Rauchmelder, Sicherungen am Herd und genügend Licht zu sorgen sowie Stolperstellen zu beseitigen. Es gibt auch zunehmend „smarte“ technische Hilfsmittel, die entlasten können, beispielsweise ein Sensor, der anzeigt, wenn eine demente Person das Bett verlässt. Es ist wichtig, sich gut über diese neuen technischen Möglichkeiten zu informieren. Dazu gibt es neben den Alzheimer-Gesellschaften heute auch Beratungsstellen in vielen Bundesländern.

Eine zeitige Planung ist vorteilhaft, um bei eintretenden Veränderungen gewappnet zu sein und Wünsche festzulegen. Den Betroffenen sollte erklärt werden, dass ausgesprochene Patientenverfügungen und Vorsorgevollmachten widerrufen werden können.

Wichtig zu wissen: Subjektiv leiden die Angehörigen häufig stärker unter einer Demenz als die Betroffenen selbst, denn das Zusammenleben kann kräftezehrend sein. Dann ist es vorteilhaft, sich gut über Hilfs- und Trainingsangebote für Angehörige zu informieren und vorhandene Angebote zu nutzen. Das ist kein Ausdruck von Versagen, sondern eine wichtige Hilfe zur Selbsthilfe. Hierzu gibt es zunehmend auch Angebote im Internet und über Videotelefonie.


Welche Besonderheiten gibt es im Krankenhaus?

Nach einer Operation unter Narkose kann im Krankenhaus plötzlich Verwirrtheit auftreten, auch „Delir“ genannt. Es handelt sich dabei nicht um eine Demenz, auch wenn beides manchmal schwer zu trennen ist.

Ein Delir kann ferner auch durch Medikamente, Flüssigkeitsmangel, die unvertraute Umgebung im Krankenhaus und Stress hervorgerufen werden. Angehörige können die Betroffenen unterstützen, indem sie ihnen in der ungewohnten Umgebung Sicherheit und ein Gefühl der Verankerung vermitteln. Dabei können ein Bild der Familienangehörigen und persönliche Gegenstände helfen. Auch eine Uhr und ein aktueller Kalender erleichtern die Orientierung. Neuigkeiten über Nachbarn oder Familienereignisse bauen Gefühle der Isolation ab und erleichtern Betroffenen das Zurückfinden in die Realität. Falls normalerweise eine Brille oder ein Hörgerät benötigt werden, sollten diese auch im Krankenhaus verwendet werden.

Insgesamt sind Allgemeinkrankenhäuser noch nicht ausreichend auf demente ältere Menschen eingestellt. Halten Sie deshalb, gerade wenn demente Angehörige ins Krankenhaus kommen, engen Kontakt mit ihnen und informieren Sie das medizinische Personal über mögliche Besonderheiten Ihres Angehörigen.

Quelle: Bundesministerium für Gesundheit (BMG), Referat 524 „Nationales Gesundheitsportal“ (15.02.2021), https://gesund.bund.de/gesunde-ernaehrung (Stand: 28.09.2021)