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28.03.2025
Kategorie: Pflegewissen & Ratgeber
Pflegeberatung auf Rezept – Wie funktioniert das?

Einleitung

Die Pflege eines Angehörigen ist eine verantwortungsvolle Aufgabe, die viele Fragen aufwirft: Welche Leistungen stehen mir zu? Wie beantrage ich einen Pflegegrad? Wo finde ich Entlastung im Alltag? Genau hier kommt die Pflegeberatung ins Spiel – und das seit einiger Zeit sogar auf Rezept.

Was viele nicht wissen: Pflegeberatung ist gesetzlich verankert und kann nicht nur freiwillig, sondern auch ärztlich verordnet werden. Das Ziel ist es, pflegende Angehörige und Pflegebedürftige zu unterstützen, Überforderung zu vermeiden und eine gute Versorgung sicherzustellen.

In diesem Artikel erfahren Sie:
✔ Was Pflegeberatung auf Rezept genau bedeutet
✔ Wer Anspruch darauf hat und wie Sie sie beantragen
✔ Welche Inhalte und Themen die Beratung abdeckt
✔ Welche Stellen Pflegeberatung anbieten
✔ Wie Sie langfristig davon profitieren


1. Was ist Pflegeberatung – und warum ist sie so wichtig?

Pflegeberatung ist eine individuelle, professionelle Unterstützung, die sich an Pflegebedürftige und deren Angehörige richtet.

Ziel ist es, die Pflege so gut wie möglich zu organisieren und dabei rechtliche, medizinische, soziale und finanzielle Aspekte zu berücksichtigen.

1.1 Gesetzliche Grundlage

Die Pflegeberatung ist im § 7a SGB XI geregelt und gehört zu den Pflichtleistungen der Pflegekassen. Seit 2022 kann sie auch ärztlich verordnet werden (§ 37 Abs. 7 SGB V).


2. Pflegeberatung auf Rezept – was bedeutet das genau?

Die ärztliche Verordnung einer Pflegeberatung ist eine Erweiterung des bestehenden Anspruchs auf Beratung. Sie richtet sich insbesondere an Pflegebedürftige und pflegende Angehörige in besonderen Belastungssituationen.

2.1 Zielgruppen für die Verordnung

✔ Pflegende Angehörige, die sich überlastet fühlen
✔ Menschen mit einem plötzlichen Pflegefall in der Familie
✔ Pflegebedürftige, die Hilfe bei der Organisation ihrer Versorgung benötigen
✔ Betroffene mit komplexem Unterstützungsbedarf (z. B. bei Demenz oder Inkontinenz)

2.2 Wer kann eine Verordnung ausstellen?

✔ Hausärztinnen und Hausärzte
✔ Fachärztinnen und Fachärzte (z. B. Geriatrie, Neurologie)
✔ Klinikärztinnen und -ärzte bei der Entlassung

📌 Tipp: Sprechen Sie den Arzt gezielt auf die Möglichkeit der Pflegeberatung an – viele wissen selbst nicht, wie groß der Nutzen ist!


3. Inhalte der Pflegeberatung

Die Pflegeberatung ist immer individuell abgestimmt – je nach Lebenssituation, Pflegegrad und Unterstützungsbedarf.

3.1 Themenbereiche der Pflegeberatung:

Pflegegrade beantragen und Widerspruch einlegen
Pflegegeld, Pflegesachleistungen und Kombinationsleistungen
Entlastungsleistungen und Verhinderungspflege
Kurzzeitpflege und Tagespflege organisieren
Wohnraumanpassung und Hilfsmittelversorgung
Vorsorgevollmacht und rechtliche Betreuung
Pflegekurse für Angehörige
Unterstützung bei der Auswahl von Pflegediensten oder Pflegeheimen
Anleitung zur Pflege zu Hause (z. B. Inkontinenz, Mobilisation, Ernährung)

📌 Fakt: Pflegeberater sind speziell geschulte Fachkräfte – oft Pflegefachpersonen mit Zusatzausbildung oder Pflegeberater:innen nach § 7a SGB XI.


4. Wo kann die Pflegeberatung stattfinden?

Pflegeberatung ist flexibel – sie kann in verschiedenen Formen und an verschiedenen Orten durchgeführt werden:

Zuhause beim Pflegebedürftigen
In Pflegestützpunkten vor Ort
Telefonisch oder per Videoberatung
In Arztpraxen oder Krankenhäusern

📌 Tipp: Die meisten Pflegekassen haben eigene Pflegeberater, die Termine vereinbaren. Auch unabhängige Stellen wie die Verbraucherzentralen oder Wohlfahrtsverbände bieten Beratung an.


5. Wie läuft eine Beratung auf Rezept ab?

5.1 Schritt für Schritt erklärt

  1. Arztbesuch und Verordnung: Der Arzt stellt ein Rezept für Pflegeberatung aus.

  2. Rezept bei der Krankenkasse einreichen: Diese prüft den Bedarf und vermittelt ggf. eine Beratungsstelle.

  3. Kontaktaufnahme durch den Pflegeberater: Es wird ein Termin vereinbart.

  4. Durchführung der Beratung: In einem oder mehreren Gesprächen werden individuelle Fragen geklärt und ein Versorgungsplan entwickelt.

  5. Dokumentation und ggf. weitere Begleitung: Auf Wunsch können weitere Beratungen erfolgen.

5.2 Ist das kostenlos?

Ja! Die Beratung auf Rezept ist eine Kassenleistung und für Sie vollständig kostenlos – unabhängig davon, ob bereits ein Pflegegrad vorliegt oder nicht.


6. Unterschied zur regulären Pflegeberatung nach § 7a SGB XI

Die reguläre Pflegeberatung nach § 7a wird von der Pflegekasse angeboten, nachdem ein Pflegegrad bewilligt wurde.

Die Beratung auf Rezept hingegen:
✔ Kann auch ohne Pflegegrad erfolgen
✔ Kommt früher und gezielter zum Einsatz
✔ Unterstützt auch in psychosozialen Belastungssituationen

📌 Tipp: Beide Beratungsformen können sich sinnvoll ergänzen.


7. Weitere Beratungsangebote und Alternativen

Neben der Pflegeberatung gibt es weitere wichtige Hilfen für pflegende Angehörige:

Pflegekurse nach § 45 SGB XI – meist kostenlos, online oder vor Ort
Beratungsbesuche nach § 37.3 SGB XI – verpflichtend für Pflegegeldempfänger
Beratung in Pflegestützpunkten – unabhängig und trägerneutral
Digitale Pflegeberatung und Pflege-Apps – z. B. zur Dokumentation oder Organisation der Pflege


8. Fazit: Pflegeberatung auf Rezept – ein wertvoller Schritt zur Entlastung

Die Pflegeberatung auf Rezept ist ein modernes und wichtiges Instrument, um pflegende Angehörige und Pflegebedürftige frühzeitig zu unterstützen.

✔ Sie hilft bei Überforderung und Unsicherheit
✔ Sie klärt individuell und professionell über Rechte und Möglichkeiten auf
✔ Sie stärkt die Selbstbestimmung und Planungssicherheit
✔ Sie ist kostenlos und flexibel nutzbar

💡 Tipp: Warten Sie nicht, bis es zu viel wird – sprechen Sie mit Ihrem Hausarzt über die Möglichkeit einer Pflegeberatung auf Rezept. So schaffen Sie die besten Voraussetzungen für eine gute Pflege zuhause – mit klarer Struktur und einem starken Partner an Ihrer Seite.