Die Pflege eines Angehörigen ist eine verantwortungsvolle Aufgabe, die viele Fragen aufwirft: Welche Leistungen stehen mir zu? Wie beantrage ich einen Pflegegrad? Wo finde ich Entlastung im Alltag? Genau hier kommt die Pflegeberatung ins Spiel – und das seit einiger Zeit sogar auf Rezept.
Was viele nicht wissen: Pflegeberatung ist gesetzlich verankert und kann nicht nur freiwillig, sondern auch ärztlich verordnet werden. Das Ziel ist es, pflegende Angehörige und Pflegebedürftige zu unterstützen, Überforderung zu vermeiden und eine gute Versorgung sicherzustellen.
In diesem Artikel erfahren Sie:
✔ Was Pflegeberatung auf Rezept genau bedeutet
✔ Wer Anspruch darauf hat und wie Sie sie beantragen
✔ Welche Inhalte und Themen die Beratung abdeckt
✔ Welche Stellen Pflegeberatung anbieten
✔ Wie Sie langfristig davon profitieren
Pflegeberatung ist eine individuelle, professionelle Unterstützung, die sich an Pflegebedürftige und deren Angehörige richtet.
Ziel ist es, die Pflege so gut wie möglich zu organisieren und dabei rechtliche, medizinische, soziale und finanzielle Aspekte zu berücksichtigen.
Die Pflegeberatung ist im § 7a SGB XI geregelt und gehört zu den Pflichtleistungen der Pflegekassen. Seit 2022 kann sie auch ärztlich verordnet werden (§ 37 Abs. 7 SGB V).
Die ärztliche Verordnung einer Pflegeberatung ist eine Erweiterung des bestehenden Anspruchs auf Beratung. Sie richtet sich insbesondere an Pflegebedürftige und pflegende Angehörige in besonderen Belastungssituationen.
✔ Pflegende Angehörige, die sich überlastet fühlen
✔ Menschen mit einem plötzlichen Pflegefall in der Familie
✔ Pflegebedürftige, die Hilfe bei der Organisation ihrer Versorgung benötigen
✔ Betroffene mit komplexem Unterstützungsbedarf (z. B. bei Demenz oder Inkontinenz)
✔ Hausärztinnen und Hausärzte
✔ Fachärztinnen und Fachärzte (z. B. Geriatrie, Neurologie)
✔ Klinikärztinnen und -ärzte bei der Entlassung
📌 Tipp: Sprechen Sie den Arzt gezielt auf die Möglichkeit der Pflegeberatung an – viele wissen selbst nicht, wie groß der Nutzen ist!
Die Pflegeberatung ist immer individuell abgestimmt – je nach Lebenssituation, Pflegegrad und Unterstützungsbedarf.
✔ Pflegegrade beantragen und Widerspruch einlegen
✔ Pflegegeld, Pflegesachleistungen und Kombinationsleistungen
✔ Entlastungsleistungen und Verhinderungspflege
✔ Kurzzeitpflege und Tagespflege organisieren
✔ Wohnraumanpassung und Hilfsmittelversorgung
✔ Vorsorgevollmacht und rechtliche Betreuung
✔ Pflegekurse für Angehörige
✔ Unterstützung bei der Auswahl von Pflegediensten oder Pflegeheimen
✔ Anleitung zur Pflege zu Hause (z. B. Inkontinenz, Mobilisation, Ernährung)
📌 Fakt: Pflegeberater sind speziell geschulte Fachkräfte – oft Pflegefachpersonen mit Zusatzausbildung oder Pflegeberater:innen nach § 7a SGB XI.
Pflegeberatung ist flexibel – sie kann in verschiedenen Formen und an verschiedenen Orten durchgeführt werden:
✔ Zuhause beim Pflegebedürftigen
✔ In Pflegestützpunkten vor Ort
✔ Telefonisch oder per Videoberatung
✔ In Arztpraxen oder Krankenhäusern
📌 Tipp: Die meisten Pflegekassen haben eigene Pflegeberater, die Termine vereinbaren. Auch unabhängige Stellen wie die Verbraucherzentralen oder Wohlfahrtsverbände bieten Beratung an.
Arztbesuch und Verordnung: Der Arzt stellt ein Rezept für Pflegeberatung aus.
Rezept bei der Krankenkasse einreichen: Diese prüft den Bedarf und vermittelt ggf. eine Beratungsstelle.
Kontaktaufnahme durch den Pflegeberater: Es wird ein Termin vereinbart.
Durchführung der Beratung: In einem oder mehreren Gesprächen werden individuelle Fragen geklärt und ein Versorgungsplan entwickelt.
Dokumentation und ggf. weitere Begleitung: Auf Wunsch können weitere Beratungen erfolgen.
Ja! Die Beratung auf Rezept ist eine Kassenleistung und für Sie vollständig kostenlos – unabhängig davon, ob bereits ein Pflegegrad vorliegt oder nicht.
Die reguläre Pflegeberatung nach § 7a wird von der Pflegekasse angeboten, nachdem ein Pflegegrad bewilligt wurde.
Die Beratung auf Rezept hingegen:
✔ Kann auch ohne Pflegegrad erfolgen
✔ Kommt früher und gezielter zum Einsatz
✔ Unterstützt auch in psychosozialen Belastungssituationen
📌 Tipp: Beide Beratungsformen können sich sinnvoll ergänzen.
Neben der Pflegeberatung gibt es weitere wichtige Hilfen für pflegende Angehörige:
✔ Pflegekurse nach § 45 SGB XI – meist kostenlos, online oder vor Ort
✔ Beratungsbesuche nach § 37.3 SGB XI – verpflichtend für Pflegegeldempfänger
✔ Beratung in Pflegestützpunkten – unabhängig und trägerneutral
✔ Digitale Pflegeberatung und Pflege-Apps – z. B. zur Dokumentation oder Organisation der Pflege
Die Pflegeberatung auf Rezept ist ein modernes und wichtiges Instrument, um pflegende Angehörige und Pflegebedürftige frühzeitig zu unterstützen.
✔ Sie hilft bei Überforderung und Unsicherheit
✔ Sie klärt individuell und professionell über Rechte und Möglichkeiten auf
✔ Sie stärkt die Selbstbestimmung und Planungssicherheit
✔ Sie ist kostenlos und flexibel nutzbar
💡 Tipp: Warten Sie nicht, bis es zu viel wird – sprechen Sie mit Ihrem Hausarzt über die Möglichkeit einer Pflegeberatung auf Rezept. So schaffen Sie die besten Voraussetzungen für eine gute Pflege zuhause – mit klarer Struktur und einem starken Partner an Ihrer Seite.