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24.03.2025
Kategorie: Demenz & Alterserkrankungen Ernährung & Wohlbefinden
Demenz und Ernährung: Wie Mahlzeiten angepasst werden können

Einleitung

Demenz verändert das Leben der Betroffenen und ihrer Angehörigen in vielen Bereichen – auch beim Essen und Trinken. Mit dem Fortschreiten der Erkrankung verlieren Menschen mit Demenz häufig das Gefühl für Hunger und Durst, vergessen das Essen oder lehnen Mahlzeiten ab. Gleichzeitig können Kau- und Schluckstörungen, ein verändertes Geschmacksempfinden und motorische Probleme das Essen zur Herausforderung machen.

Dabei spielt die Ernährung eine zentrale Rolle für Gesundheit, Lebensqualität und Wohlbefinden. Eine angepasste, abwechslungsreiche und liebevoll zubereitete Ernährung hilft, Mangelernährung vorzubeugen und die Selbstständigkeit so lange wie möglich zu erhalten.

In diesem Artikel erfahren Sie:
✔ Welche Herausforderungen Demenz beim Thema Ernährung mit sich bringt
✔ Wie Sie Mahlzeiten anpassen und abwechslungsreich gestalten können
✔ Tipps für den Umgang mit Kau- und Schluckstörungen
✔ Worauf Sie bei der Getränkeauswahl achten sollten
✔ Finanzielle Hilfen und Pflegeleistungen rund ums Essen


1. Warum wird Ernährung bei Demenz problematisch?

Demenz wirkt sich auf viele Fähigkeiten aus, die für die Nahrungsaufnahme wichtig sind:

✔ Das Hungergefühl geht verloren – Betroffene vergessen zu essen und zu trinken.
Kau- und Schluckstörungen (Dysphagie) erschweren die Nahrungsaufnahme.
✔ Motorische Probleme führen dazu, dass Besteck nicht mehr benutzt werden kann.
Sinneswahrnehmungen verändern sich – Geschmack, Geruch und Sättigungsgefühl werden schwächer.
Unruhe oder Apathie verhindern konzentriertes Essen.

📌 Fakt: Rund 40 % der Menschen mit Demenz entwickeln im Verlauf der Erkrankung eine Mangelernährung – mit schwerwiegenden gesundheitlichen Folgen.


2. Welche Folgen hat eine Mangelernährung bei Demenz?

Kraftlosigkeit und Schwäche
Erhöhtes Sturzrisiko
Verstärkung der kognitiven Defizite
Schlechte Wundheilung und erhöhte Infektanfälligkeit
Gewichtsverlust und Muskelabbau

📌 Tipp: Frühzeitige Anpassungen bei der Ernährung helfen, die Gesundheit und das Wohlbefinden zu erhalten.


3. So passen Sie die Ernährung bei Demenz an

3.1 Struktur und Rituale schaffen Sicherheit

Feste Essenszeiten geben Orientierung und wirken beruhigend.
Wiederkehrende Abläufe wie Tisch decken oder die Lieblings-Tasse nutzen.
Essenssituationen ruhig gestalten – keine Ablenkung durch Fernseher oder Hektik.

3.2 Kleine Mahlzeiten über den Tag verteilen

✔ Lieber mehrere kleine Portionen als drei große Mahlzeiten.
✔ Fingerfood anbieten, das ohne Besteck gegessen werden kann.
✔ Zwischenmahlzeiten wie Joghurt, Obst, Smoothies oder pürierte Suppen einbauen.

3.3 Essen optisch ansprechend gestalten

Klare Farbkontraste auf dem Teller helfen bei Orientierung.
Unterschiedliche Konsistenzen und Farben regen den Appetit an.
✔ Bekannte und vertraute Gerichte kochen – Erinnerungen wecken den Appetit.


4. Umgang mit Kau- und Schluckstörungen (Dysphagie)

Kau- und Schluckstörungen sind bei fortgeschrittener Demenz häufig und gefährlich. Die Gefahr des Verschluckens oder einer Lungenentzündung steigt.

4.1 Anzeichen für Dysphagie

✔ Häufiges Husten oder Räuspern beim Essen und Trinken
✔ Nahrung bleibt im Mund „stecken“
✔ Verschlechterung der Stimme nach dem Essen
✔ Gewichtsverlust, weil das Essen vermieden wird

4.2 Tipps zur Anpassung der Nahrung

Weiche oder pürierte Speisen zubereiten
Bindemittel verwenden, um Flüssigkeiten eindickbarer zu machen
✔ Speisen möglichst fett- und eiweißreich anreichern
Keine trockenen, krümeligen oder faserigen Speisen anbieten (z. B. Brotkrusten, rohe Karotten)
Getränke eindicken, wenn normales Trinken schwerfällt

📌 Tipp: Lassen Sie sich von Logopäden oder Ernährungsberatern beraten – sie helfen bei der Anpassung der Ernährung.


5. Flüssigkeitszufuhr sicherstellen – eine der größten Herausforderungen

Menschen mit Demenz trinken häufig zu wenig, weil:
✔ Sie Durst nicht mehr spüren
✔ Sie vergessen, dass sie trinken müssen
✔ Sie nicht erkennen, wofür Glas oder Tasse da sind

5.1 So fördern Sie die Flüssigkeitsaufnahme

✔ Getränke sichtbar und griffbereit platzieren
Farbliche oder gemusterte Tassen und Gläser nutzen
✔ Getränke mit Geschmack anbieten (z. B. Saftschorlen, Tees)
✔ Flüssigkeit über Suppen, Joghurt oder Obst aufnehmen
Trinkrituale entwickeln: Gemeinsam zu bestimmten Zeiten trinken

📌 Empfohlene Trinkmenge: 1,5 bis 2 Liter pro Tag – angepasst an die individuelle Situation


6. Wertvolle Nährstoffe für Menschen mit Demenz

Eiweißreiche Kost: Unterstützt Muskelerhalt und Wundheilung
Omega-3-Fettsäuren: Wirken entzündungshemmend und unterstützen das Gehirn
Vitamine (B-Gruppe, D) und Mineralstoffe (Zink, Magnesium): Wichtig für Nervensystem und Immunsystem
Ballaststoffe: Fördern die Verdauung und beugen Verstopfung vor

📌 Tipp: Hochkalorische Trinknahrung oder Nahrungsergänzungsmittel können bei Bedarf helfen, den Nährstoffbedarf zu decken.


7. Finanzielle Unterstützung und Pflegeleistungen rund ums Essen

7.1 Pflegegrad und Entlastungsleistungen

Pflegegeld (bis zu 990 € monatlich bei Pflegegrad 5) kann für Ernährungshilfen und Begleitung bei den Mahlzeiten genutzt werden.
Pflegesachleistungen: Unterstützung durch ambulante Pflegedienste beim Essenreichen möglich.
Entlastungsbetrag (131 € monatlich): Für Einkaufshilfen, Essenszubereitung oder Betreuungsangebote nutzbar.

7.2 Kostenübernahme für Ernährungshilfen

Pflegehilfsmittel zum Verbrauch (42 € monatlich) – z. B. spezielle Trinkhilfen oder Schutzauflagen
Beratung durch Ernährungsberater oder Logopäden kann auf Rezept verordnet werden


8. Fazit: Mit der richtigen Ernährung Lebensqualität sichern

Ernährung ist mehr als reine Nahrungsaufnahme – sie bedeutet Genuss, Lebensfreude und soziale Teilhabe. Gerade bei Demenz kann die richtige Ernährungsstrategie helfen, Wohlbefinden und Gesundheit zu erhalten.

Rituale und Struktur geben Sicherheit
Angepasste Speisen und Getränke erleichtern das Essen
Kau- und Schluckstörungen frühzeitig erkennen und behandeln
Finanzielle Hilfen nutzen, um die Ernährung bestmöglich zu gestalten

💡 Tipp: Der gemeinsame Genuss einer Mahlzeit schafft Nähe – auch wenn Worte fehlen, bleibt das Essen eine wichtige Brücke zu Menschen mit Demenz.