Demenz verändert das Leben der Betroffenen und ihrer Angehörigen in vielen Bereichen – auch beim Essen und Trinken. Mit dem Fortschreiten der Erkrankung verlieren Menschen mit Demenz häufig das Gefühl für Hunger und Durst, vergessen das Essen oder lehnen Mahlzeiten ab. Gleichzeitig können Kau- und Schluckstörungen, ein verändertes Geschmacksempfinden und motorische Probleme das Essen zur Herausforderung machen.
Dabei spielt die Ernährung eine zentrale Rolle für Gesundheit, Lebensqualität und Wohlbefinden. Eine angepasste, abwechslungsreiche und liebevoll zubereitete Ernährung hilft, Mangelernährung vorzubeugen und die Selbstständigkeit so lange wie möglich zu erhalten.
In diesem Artikel erfahren Sie:
✔ Welche Herausforderungen Demenz beim Thema Ernährung mit sich bringt
✔ Wie Sie Mahlzeiten anpassen und abwechslungsreich gestalten können
✔ Tipps für den Umgang mit Kau- und Schluckstörungen
✔ Worauf Sie bei der Getränkeauswahl achten sollten
✔ Finanzielle Hilfen und Pflegeleistungen rund ums Essen
Demenz wirkt sich auf viele Fähigkeiten aus, die für die Nahrungsaufnahme wichtig sind:
✔ Das Hungergefühl geht verloren – Betroffene vergessen zu essen und zu trinken.
✔ Kau- und Schluckstörungen (Dysphagie) erschweren die Nahrungsaufnahme.
✔ Motorische Probleme führen dazu, dass Besteck nicht mehr benutzt werden kann.
✔ Sinneswahrnehmungen verändern sich – Geschmack, Geruch und Sättigungsgefühl werden schwächer.
✔ Unruhe oder Apathie verhindern konzentriertes Essen.
📌 Fakt: Rund 40 % der Menschen mit Demenz entwickeln im Verlauf der Erkrankung eine Mangelernährung – mit schwerwiegenden gesundheitlichen Folgen.
✔ Kraftlosigkeit und Schwäche
✔ Erhöhtes Sturzrisiko
✔ Verstärkung der kognitiven Defizite
✔ Schlechte Wundheilung und erhöhte Infektanfälligkeit
✔ Gewichtsverlust und Muskelabbau
📌 Tipp: Frühzeitige Anpassungen bei der Ernährung helfen, die Gesundheit und das Wohlbefinden zu erhalten.
✔ Feste Essenszeiten geben Orientierung und wirken beruhigend.
✔ Wiederkehrende Abläufe wie Tisch decken oder die Lieblings-Tasse nutzen.
✔ Essenssituationen ruhig gestalten – keine Ablenkung durch Fernseher oder Hektik.
✔ Lieber mehrere kleine Portionen als drei große Mahlzeiten.
✔ Fingerfood anbieten, das ohne Besteck gegessen werden kann.
✔ Zwischenmahlzeiten wie Joghurt, Obst, Smoothies oder pürierte Suppen einbauen.
✔ Klare Farbkontraste auf dem Teller helfen bei Orientierung.
✔ Unterschiedliche Konsistenzen und Farben regen den Appetit an.
✔ Bekannte und vertraute Gerichte kochen – Erinnerungen wecken den Appetit.
Kau- und Schluckstörungen sind bei fortgeschrittener Demenz häufig und gefährlich. Die Gefahr des Verschluckens oder einer Lungenentzündung steigt.
✔ Häufiges Husten oder Räuspern beim Essen und Trinken
✔ Nahrung bleibt im Mund „stecken“
✔ Verschlechterung der Stimme nach dem Essen
✔ Gewichtsverlust, weil das Essen vermieden wird
✔ Weiche oder pürierte Speisen zubereiten
✔ Bindemittel verwenden, um Flüssigkeiten eindickbarer zu machen
✔ Speisen möglichst fett- und eiweißreich anreichern
✔ Keine trockenen, krümeligen oder faserigen Speisen anbieten (z. B. Brotkrusten, rohe Karotten)
✔ Getränke eindicken, wenn normales Trinken schwerfällt
📌 Tipp: Lassen Sie sich von Logopäden oder Ernährungsberatern beraten – sie helfen bei der Anpassung der Ernährung.
Menschen mit Demenz trinken häufig zu wenig, weil:
✔ Sie Durst nicht mehr spüren
✔ Sie vergessen, dass sie trinken müssen
✔ Sie nicht erkennen, wofür Glas oder Tasse da sind
✔ Getränke sichtbar und griffbereit platzieren
✔ Farbliche oder gemusterte Tassen und Gläser nutzen
✔ Getränke mit Geschmack anbieten (z. B. Saftschorlen, Tees)
✔ Flüssigkeit über Suppen, Joghurt oder Obst aufnehmen
✔ Trinkrituale entwickeln: Gemeinsam zu bestimmten Zeiten trinken
📌 Empfohlene Trinkmenge: 1,5 bis 2 Liter pro Tag – angepasst an die individuelle Situation
✔ Eiweißreiche Kost: Unterstützt Muskelerhalt und Wundheilung
✔ Omega-3-Fettsäuren: Wirken entzündungshemmend und unterstützen das Gehirn
✔ Vitamine (B-Gruppe, D) und Mineralstoffe (Zink, Magnesium): Wichtig für Nervensystem und Immunsystem
✔ Ballaststoffe: Fördern die Verdauung und beugen Verstopfung vor
📌 Tipp: Hochkalorische Trinknahrung oder Nahrungsergänzungsmittel können bei Bedarf helfen, den Nährstoffbedarf zu decken.
✔ Pflegegeld (bis zu 990 € monatlich bei Pflegegrad 5) kann für Ernährungshilfen und Begleitung bei den Mahlzeiten genutzt werden.
✔ Pflegesachleistungen: Unterstützung durch ambulante Pflegedienste beim Essenreichen möglich.
✔ Entlastungsbetrag (131 € monatlich): Für Einkaufshilfen, Essenszubereitung oder Betreuungsangebote nutzbar.
✔ Pflegehilfsmittel zum Verbrauch (42 € monatlich) – z. B. spezielle Trinkhilfen oder Schutzauflagen
✔ Beratung durch Ernährungsberater oder Logopäden kann auf Rezept verordnet werden
Ernährung ist mehr als reine Nahrungsaufnahme – sie bedeutet Genuss, Lebensfreude und soziale Teilhabe. Gerade bei Demenz kann die richtige Ernährungsstrategie helfen, Wohlbefinden und Gesundheit zu erhalten.
✔ Rituale und Struktur geben Sicherheit
✔ Angepasste Speisen und Getränke erleichtern das Essen
✔ Kau- und Schluckstörungen frühzeitig erkennen und behandeln
✔ Finanzielle Hilfen nutzen, um die Ernährung bestmöglich zu gestalten
💡 Tipp: Der gemeinsame Genuss einer Mahlzeit schafft Nähe – auch wenn Worte fehlen, bleibt das Essen eine wichtige Brücke zu Menschen mit Demenz.