Einleitung
Für viele pflegebedürftige Menschen ist der tägliche Transfer vom Bett in den Rollstuhl (und umgekehrt) eine unverzichtbare Routine – zugleich birgt dieser Vorgang erhebliche Risiken: Sturzgefahr, Überforderung, Schmerzen oder Unsicherheiten. Sowohl für die betroffene Person als auch für die pflegende Person ist ein sicherer, rückenschonender und strukturierter Ablauf essenziell.
Ein professionell durchgeführter Transfer schützt vor Verletzungen, fördert die Selbstständigkeit und trägt zur Lebensqualität bei. Dabei helfen Wissen, Technik, geeignete Hilfsmittel – und Empathie.
In diesem Beitrag erfahren Sie:
✔ Wie ein sicherer Transfer Schritt für Schritt gelingt
✔ Welche Hilfsmittel unterstützen
✔ Worauf pflegende Angehörige und Pflegekräfte achten müssen
✔ Was bei eingeschränkter Mobilität oder Übergewicht zu beachten ist
1. Warum Transfers kritisch, aber unvermeidbar sind
Viele Pflegebedürftige können nicht mehr selbstständig aus dem Bett aufstehen oder sich umsetzen. Dennoch ist es wichtig, sie regelmäßig in den Rollstuhl oder Sessel zu setzen:
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zur Mobilisierung, um Kreislauf, Muskulatur und Verdauung zu fördern
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zur Teilhabe, z. B. bei Mahlzeiten, sozialen Kontakten oder Aktivitäten
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zur Dekubitusprophylaxe, also zur Vorbeugung von Druckgeschwüren
📌 Wichtig: Der Transfer ist nicht nur ein Handgriff – sondern ein zentraler Bestandteil der pflegerischen Versorgung.
2. Voraussetzungen für einen sicheren Transfer
Bevor es losgeht, sollten folgende Bedingungen erfüllt sein:
2.1 Umgebung vorbereiten
✔ Ausreichend Platz um das Bett schaffen
✔ Rollstuhl in richtiger Position mit arretierten Bremsen
✔ Bett auf Hüfthöhe der Pflegeperson einstellen
✔ Rutschfeste Unterlage bereitstellen (z. B. Antirutsch-Socken)
2.2 Pflegebedürftige Person vorbereiten
✔ Wecken und orientieren lassen – nicht überrumpeln
✔ Lageveränderung ankündigen und erklären
✔ Kleidung zurechtrücken (z. B. Schuhe, Gurt sichern)
✔ Körperliche Verfassung kurz prüfen: Kreislauf? Schmerzen?
3. Der manuelle Transfer – Schritt für Schritt
Der klassische Transfer ohne technische Hilfsmittel gelingt am besten mit einer strukturierten Vorgehensweise:
Schritt 1: Aufsetzen im Bett
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Kopfteil leicht hochstellen (falls möglich)
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Beine über die Bettkante schwenken
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Person durch unterstütztes Hochdrücken in den Sitz bringen
→ Wichtig: mit dem eigenen Körpergewicht arbeiten, nicht am Arm ziehen!
Schritt 2: Positionieren zum Aufstehen
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Beide Füße stehen fest auf dem Boden
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Oberkörper leicht nach vorne beugen lassen
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Pflegekraft steht seitlich, leicht versetzt vor der Person
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Blickkontakt und ruhige Ansprache
Schritt 3: Aufstehen
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Nach dem Kommando („Jetzt gemeinsam aufstehen“) wird die Person aktiv unterstützt
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Pflegekraft stabilisiert Becken oder Oberkörper
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Aufrichtung langsam und kontrolliert
Schritt 4: Drehen und Umsetzen in den Rollstuhl
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In kleinen Schritten zur Seite drehen
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Rückseite der Beine berührt den Rollstuhl
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Langsames Hinsetzen unter Führung
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Person im Rollstuhl korrekt positionieren und sichern
📌 Tipp: Ein Gleittuch oder Drehkissen kann das Umsetzen erleichtern.
4. Hilfsmittel für einen sicheren Transfer
Hilfsmittel nehmen Druck von pflegenden Angehörigen und erhöhen die Sicherheit der Pflegebedürftigen.
4.1 Gurt- und Haltesysteme
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Rutschgürtel, Umsetzhilfen
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Transferbrett (bei Restkraft in Armen)
4.2 Technische Hilfen
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Aufstehhilfen oder Lifter (z. B. Mobilift)
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Aufstehsessel mit Neigefunktion
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Pflegebett mit Seitenteilen, Höhenverstellung, Aufrichter
4.3 Hilfsmittel zur Sicherung
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Antirutschmatten oder Halteschlaufen
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Rutschfeste Schuhe
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Handläufe an Wand oder Bett
📌 Gut zu wissen: Pflegehilfsmittel können über die Pflegekasse beantragt werden – viele sind kostenlos leihbar.
5. Besondere Situationen: Was ist zu beachten?
5.1 Transfer bei starker Bewegungseinschränkung
✔ Immer mit zwei Personen arbeiten (wenn möglich)
✔ Technische Transferhilfen einsetzen
✔ Druckentlastung und Schonung beachten
5.2 Transfer bei Übergewicht
✔ Tragkraft und Stabilität von Rollstuhl und Bett prüfen
✔ Auf sicheres Schuhwerk achten
✔ Unterstützung durch einen Lifter oder Gurt nutzen
5.3 Transfer bei Demenz oder Verwirrtheit
✔ Schrittweise erklären, was passiert
✔ Blickkontakt und einfache Worte
✔ Unruhe durch Berührungen, Musik oder Rituale beruhigen
6. Rückenschonendes Arbeiten für Pflegende
Auch der Rücken der Pflegeperson verdient Schutz!
Tipps für ergonomisches Arbeiten:
✔ Immer in die Hocke gehen statt beugen
✔ Aus den Beinen heben, nicht aus dem Rücken
✔ Hilfsmittel konsequent nutzen
✔ Bei Unsicherheit zweite Person hinzuziehen
✔ Regelmäßige Rückenschule oder Fortbildungen besuchen
📌 Tipp: Pflegekurse für Angehörige zeigen rückenschonende Techniken – oft kostenlos!
7. Pflegeversicherung: Wer zahlt was?
Pflegehilfsmittel für Transfers
✔ Pflegebett, Aufrichthilfe, Rutschbrett, Haltegriffe etc.
✔ Bis zu 40 €/Monat für zum Verbrauch bestimmte Hilfsmittel
✔ Einmalige Zuschüsse (z. B. Wohnraumanpassung: bis 4.000 €)
Pflegeleistungen (ab 2025):
| Pflegegrad | Pflegegeld | Pflegesachleistungen |
|---|---|---|
| 2 | 347 € | 796 € |
| 3 | 599 € | 1.497 € |
| 4 | 800 € | 1.859 € |
| 5 | 990 € | 2.299 € |
Fazit: Mit Technik, Wissen und Einfühlungsvermögen gelingt der sichere Transfer
Der Transfer vom Bett in den Rollstuhl ist kein Nebenaspekt – er ist ein zentrales Element im Pflegealltag. Wer den Vorgang professionell gestaltet, sorgt für Sicherheit, Würde und Entlastung – bei allen Beteiligten.
✔ Bereiten Sie Transfer und Umgebung gut vor
✔ Arbeiten Sie mit klaren Abläufen und ruhiger Ansprache
✔ Nutzen Sie Hilfsmittel und Schulungen
✔ Achten Sie auf Ihre eigene Gesundheit
💡 Tipp: Auf PflegePur finden Sie Anleitungen, Produkttests, Checklisten und Pflegeberatung – rund um Transfers, Mobilität und mehr.